Ecco Le Marche

Heute gibt es einen echten touristischen Geheimtipp – ein Restaurant in der Nähe von Jesi, nur über eine (breite) Schotterstrasse zu erreichen und mitten im Grünen am Ufer des Esino. Mein Mann fährt auf seinen Radtouren immer über Nebenstraßen und hatte es zufällig entdeckt.

Geheimtipp will heißen: das Restaurant ist groß und oft brechend voll, aber es verirren sich nur sehr selten Touristen oder überhaupt Ausländer dorthin. Es gibt eine Telefonnummer zum Reservieren, aber keine Webseite. Fans oder Freunde des Restaurants haben aber eine Facebookseite erstellt. Das Essen ist klassische marchigianische Küche, dabei lecker, viel, und überaus günstig. Es ist aber alles einfach gehalten und der Service ist durchorganisiert (aber freundlich).

Es heißt “Ristorante il Bucatino – da Diego” und befindet sich hier: Google maps link zu Il Bucatino

Wenn man auf den unbefestigten Parkplatz unter den schattigen Bäumen einbiegt, erblickt man den Restaurant-Eingang und wundert sich: Eine möglicherweise selbst zusammengeschweißte Stahlkonstruktion, rundum mit Glas. Oder war es früher ein Gewächshaus? Dabei ist der Restaurant-Raum riesig groß und bietet bestimmt 80 bis 100 Leuten Platz.

Es sieht so aus, als hätte man einfach nur Tische und Stühle in ein altes Gewächshaus gestellt. Die verglaste breite Seite des Restaurants bietet einen Blick auf üppiges Grün und den Fluss Esino, der kurz vorher noch Naturschutzgebiet ist (Riserva Ripa Bianca) und dahinter irgendwann bei Falconara Maritima ins Meer fließt.

Die Lage und Anlage kann man gut in diesem kleinen Youtube Video sehen:

Die Kellner sind fleißig und geschäftig, Wein und Wasser wird in großen Karaffen ungefragt auf die Tische gestellt. Diego, der Besitzer, grüßt viele der Gäste, die er zu kennen scheint: Arbeiter, einige ältere Leutchen aus der Umgebung, Pärchen, ganze Sportgruppen. Es gibt keine Speisekarte an den Tischen: Im Eingang hängt eine Karte mit Preisen und den gängigen Gerichten zur groben Orientierung, aber die Kellner erklären einem, was es gibt. Und – eine Seltenheit in dieser Gegend und in einem untouristischen Restaurant – Diego selbst spricht Englisch und hilft bei der Erklärung der Gerichte.

Mein Mann liebt das Gericht des Hauses: Bucatini all’Amatriciana. Eigentlich ein einfaches römisches Nudelgericht, das aber nach den Erdbeben 2016 zum Symbol der Solidarität mit dem Ort Amatrice in der Region Latium geworden ist. Hier im Bucatino wird es mit einer leichten Schärfe und einer schönen dicken Tomatensauce gekocht.

Mein absoluter Favorit dagegen sind die Pappardelle mit Wildschweinsauce in bianco, also mit Weißwein gekocht. Es gibt auch Fisch- und Meeresfrüchtegerichte, die für die Region typischen dicken Fave-Bohnen und einen Mixed-Grill, auf dem neben einem Kotelett auch Fenchelwürstchen und die leckere mit Speck und Lorbeer umwickelte Leber zu finden ist.

Wenn man sich schon in der Glaskonstruktion mitten in der Natur fühlt, im Sommer kann man sogar ganz draußen essen, natürlich wieder völlig einfach: ein gegossener Betonboden mit Schatten spendendem Wellblechdach, darunter etliche Tische mit Stühlen.

Zum Bezahlen geht es nachher zum Chef nach vorne an die Kasse. Wenn ich dann die Küche lobe, dann erzählt Diego, dass er stolz ist, das Restaurant auf die gleich Art weiterzuführen, wie sein Vater es in den, ich glaube, 70er und 80er Jahren betrieben hat und wo es noch “Il Boschetto della Chiusa” hieß. Über der Kasse hängt noch die damalige Speisekarte und man erkennt, dass es auch da schon täglich wechselnde, wöchentlich wiederkehrende Gerichte gab, und dass es vor allem schon die Bucatini all’Amatriciana an jedem Tag gab:

Probiert es aus, wenn Ihr gute, marchigianische Hausmannskost in einfachem Ambiente und mit günstigen Preisen probieren wollt….