Ecco Le Marche

Viele Leute reagieren verblüfft, wenn wir erzählen, dass es bei uns in den Marken im Winter schneit. Italien – das ist doch Sonne und Wärme. Nun, es wird selten viel kälter als 1–2 Grad unter null, aber gerade bei diesen Temperaturen gibt es ja bei entsprechender Feuchtigkeit oft Schnee. Im Jahr 2012 waren es sogar fast eineinhalb Meter. Und wenn man auf die Bergketten im Landesinneren schaut, haben sie im Winter fast immer weiße Schneemützen.

Mit-Bloggerin Isabelle sagt, dass sie in den 20 Jahren in den Marken mehr Schnee gesehen hat als in ihrem vorigen Leben in Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

B&B La Girandola im Schnee

Für die Leute früher war der Schnee nützlich und positiv: Die Menschen lebten sowieso weniger in Eile und der Schnee sorgte für Feuchtigkeit im Boden und schützte den Winterweizen vor dem Frost.
Sobald es anfing, zu schneien, hörten die Familien auf, im Freien zu wirtschaften und zogen sich mit der Familie in die Ställe zurück, wo es durch das Vieh schön warm war. Man reparierte Werkzeuge, webten Körbe und erledigte Hausarbeit, während die Großeltern den Kindern Geschichten erzählten.

Neben dem Spielen im Schnee freuten sich vor allem die Kinder auf ihr “sapa gelato”: die Mütter sammelten frischen Schnee, meist von den Bäumen, damit er nicht verunreinigt war, und bedeckten ihn Sapa, das ist ein aus Traubenmost gekochter Sirup. Der Most wurde dafür stundenlang in einem offenen Kupferkessel über dem Feuer gekocht, bis er auf zwei Drittel seiner ursprünglichen Menge reduziert war.

In der heutigen, hektischen Zeit schaffen es viele nicht mehr, eigenen Sapa zu kochen. Nur die traditionellen und älteren Bauern nehmen sich noch die Zeit. Für die anderen gibt es Sapa in den Delikatessengeschäften der Region: Was einst der Zucker der armen Leute war ist heute ein Luxusprodukt geworden.

Für die Erwachsenen gab es eine beschwipste Version des Gelato: Statt Sapa nahmen sie Vi’ de Visciola, den sehr starken Wildkirschwein der Region. Dazu haben wir einen separaten Artikel gemacht.

Danke an Cristiano Dellabella für das Foto und seine Kindheitserinnerungen an das sapa gelato, das Eis mit Traubensirup!