Ecco Le Marche

Vor 30 Jahren wurde in Sirolo das Grab einer reichen Picener Dame entdeckt, möglicherweise eine Prinzessin oder Königin dieses Volkes: Die ausgegrabenen Objekte mussten damals von unschätzbarem Wert gewesen sein: eine Kutsche mit Sitzen für 2 Personen, viele Juwelen aus Glasperlen, Muscheln und Bronze sowie Gläser und ein ganzes Geschirr. Die Frau hatte wohl zu Lebzeiten einen enorm hohen Status.

Wer aber waren die Picener, auf deren Spuren wir in den Marken überall treffen?

Wer mehr erfahren will, dem sei ein Ausflug an den wunderschönen Küstenabschnitt um den Monte Conero empfohlen. Denn hier gibt es ein staatliches Antiquarium in Numana das diesen und andere Funde ausstellt.

Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt, wie in allen staatlichen italienischen Museen, frei.

 

Schon beim Betreten des Museums beginnt eine Zeitreise in die Frühgeschichte dieser Küstenregion der Marken. Schließlich ist dies ein Gebiet, was seit 200000 Jahren vor Christus bewohnt war!

Ein Teil der Ausstellung ist den Picenern gewidmet. Jeder Italienreisende hat von den Etruskern gehört, aber die Picener sind weniger bekannt, obwohl sie schon seit dem 6. Jahrhundert vor Christus ein Gebiet bewohnten, das die heutigen Marken und den Norden der Region Abruzzen umfasst. Im Namen Ascoli Piceno, der Provinz im Süden der Marken, finden wir die Picener wieder.

Einst hatten die Sabiner aus der Gegend um Rom ein Frühlingsritual: Die jungen Leute sollten im Frühjahr ausziehen, um ein neues Siedlungsgebiet zu finden. Unter der Leitung des heiligen Grünspechtes (picus in Latein) soll dann eine Gruppe die heutigen Marken erreicht haben. Daher kommt der Name Picener. Die Region Marken erwählte den Specht zum Wappentier der Region.

 

 

Durch die Gräber und Nekropolen (Beerdigungsstätten) erfuhr man mehr über die Lebensweise dieses Volkes: sie waren kämpferisch, hatten aber auch ein Auge für den Handel. Denn man fand zahlreiche griechische Objekte inklusive Bronze und Bernstein, die auf Handelsbeziehungen mit den Griechen hinweisen. In der Zeit war Numana ein wichtiger Handelshafen.

Die Zeitreise im Museum endet mit der Römerzeit, denn danach verschwanden die Picener nach und nach. Im 3. Jahrhundert waren sie noch Verbündete der Römer in der Schlacht von Sentinum gegen die Gallier, Umbrer und Etrusker. Aber danach wurden sie teils von den Römern assimiliert (also vereinnahmt und sie verloren ihre eigene Identität) oder vertrieben.

Dieses Museum ist wirklich interessant und schön, um die Geschichte der Region zu verstehen. Alle Erklärungen sind zweisprachig in Italienisch und Englisch. Und weil man keinen ganzen Tag dafür benötigt, bietet sich an, es mit einem Besuch der reizenden Küstenstädtchen Numana oder Sirolo zu verbinden. Oder im Sommer einen der ruhigen Strände des Monte Conero mit seinem glasklaren Wasser zu besuchen.

Nach soviel Kultur hat man sich ein gutes Essen in einem der vielen Fischrestaurants verdient: Mein Mann und ich waren zum Beispiel letztens im Lo Scottadito in Numana, das uns sehr gut gefallen hat und das auch im Winter geöffnet ist.