Ecco Le Marche

Nach einem „plastikfrei“ Selbstversuch hier in der Region Marken in Italien hatte mich Silvia vom „Leckerekekse“-Literaturblog gefragt, ob ich etwas für die Blogtour „Weniger Plastik ist mehr“ schreiben wollte. Wollte ich und habe schon 2 Artikel über besondere „Plastikfrei“ Unternehmungen geschrieben: Die Casa dell’Aqua, die Wasserhäuschen, die hier in der Gegend den Kauf von Plastikwasserflaschen enorm reduziert haben. Und die marchigianische Fast Food Kette „Pesce Azurro„, die in ihren Niederlassungen nur kompostierbares Einweggeschirr auf Maisbasis verwendet und Wasser und Wein zum Selberzapfen zur Verfügung stellt.

Abschließend wollte ich noch einen Artikel zu all den anderen kleinen Initiativen, die mir hier aufgefallen sind, schreiben. Aber was wollte ich denn damit ausdrücken? Sind die Italiener besser im Plastik vermeiden als in meiner Heimat, Deutschland? Weiß ich nämlich nicht. Aber da ich die Initiativen gut fand, dachte ich, ich präsentiere es, wie es ist: positive Eindrücke wie Plastikvermeidung gehen kann ohne Anspruch auf Einordnung und Vollständigkeit.

Zunächst zu meinem Selbstversuch: 1 Woche lang versuchen, die Lebensmittel ohne Plastik einzukaufen. Der Versuch ist daneben gegangen, denn ganz habe ich es nicht geschafft: ich habe dennoch einmal die Milch aus der Plastikflasche gekauft, denn die nächste Milch im Tetrapak hätte mich einen Extraweg von 20 Km gekostet – da hätte ich wiederum zuviel Sprit verbraucht. Und beim Kauf beim Metzger hatte ich zwar meine eigene Tüte dabei, aber das Einpackpapier hatte eine dünne Plastikschicht. Und noch einiges mehr. Aber dennoch war es ein Erfolg, denn es hat mir die Augen geöffnet, wie schwer es ist, die Plastikflut von Verbraucherseite her einzudämmen. Immerhin kenne ich jetzt mehr kleine Läden, und in einigen wissen sie jetzt schon, daß ich lieber Papier statt Plastikverpackungen möchte. Ich habe Nachfüllstationen für Waschmittel- und Putzmittel gefunden. Und die generelle Reaktion in den Geschäften war sehr positiv. Ich habe unseren Plastikverbrauch reduziert, aber für die weiteren Schritte, weiß ich nun, müssen die Gesetzgeber noch ordentlich was tun.

Dann habe ich die Augen offen gehalten und noch folgende Initiativen in der italienischen Region Marken gefunden:

  • per Gesetz dürfen in italienischen Supermärkten nur noch Gemüsetüten verwendet werden, die zu einem gewissen Mindest-Prozentsatz (ich glaube um die 40-50%) kompostierbar sind. Schonmal gut, aber dann gibt es an den Gemüseständen wiederum Einweg-Plastikhandschuhe, die man der Hygiene wegen anziehen soll.
  • Die Gemeinde Fabriano hat ein ausgeklügeltes Rücknahmesystem für recycling-geeigneten Müll entwickelt. Jeder Bürger kann in den intelligenten Stationen in der Innenstadt seinen Recycling-Müll wiegen und abgeben, und bekommt je nach Menge Rabatte bei den Müllgebühren
  • Das Meer ist den Italienern sehr wichtig, daher findet sich eine Unterstützung in breiten Bevölkerungsteilen, hier etwas mehr zu tun:
    • Die Region Marken hat als erste Region Italiens jetzt schon die EU Verordnung umgesetzt, kein Einwegplastik wie Plastikteller, Becher, Besteck, mehr zuzulassen. Operativ in den Marken ab November 2019, in Europa generell ab 2021.
    • Die gemeinnützige Organisation Legambiente fährt mit einem Segelschiff die Adriaküste ab und betreibt Müllaufklärung wo immer sie anlegen
Legambiente Segelschiff im Hafen von Ancona
  • Es gibt ein Plastikradar-App, mit der man Plastikmüll in Meer, Strand und Flüssen melden kann, um mehr Druck auf die Politik zu machen.
  • ein Unternehmen im marchigianischen Fossombrone produziert Strohhalme aus abbaubarem, ja sogar essbarem Pastateig. Diese werden nun schon von etlichen Strandbars und Restaurants in den Marken verwendet.
  • italienische Schulen verteilen wiederverwendbare Trinkflaschen an ihre Schüler, um den Verbrauch von Einweg-Getränkeflaschen zu reduzieren.

All das sehr gute Aktionen. Ob es reicht? Ich schätze nein. Also nicht zurücklehnen, sondern darauf hoffen, daß sowohl in Italien als auch überall sonst auf der Welt noch viel mehr solcher Initiativen ins Leben gerufen werden, und die Regierungen ebenso aufwachen.

Übrigens, mehr über die Blogtour „Weniger Plastik ist mehr“ findet Ihr hier.