Ecco Le Marche

Die Route entlang der 9 Burgen (Kastelle) von Arcevia ist ein Muß für alle, die eine schöne Autofahrt in den Marken unternehmen möchten. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage war die Stadt Arcevia im 13. Jahrhundert sehr wichtig und mächtig. Bis zum 15. Jahrhundert kamen zusätzlich noch 9 Kastelle, also kleine, zumeist auf einem Hügel gelegene und vollständig mit einer Mauer bewehrte Dörfer unter die Herrschaft von Arcevia. Dennoch sucht man auf alten Karten bis hin zum Jahre 1817 den Namen “Arcevia” vergeblich, denn jahrhundertelang hieß die Gemeinde zunächst “Rocca Contrada”.

Von diesen 9 Kastellen haben wir in früheren Artikeln bereits Nidastore, Caudino und Castiglioni besprochen. Heute entführen wir Euch in das malerische Palazzo! Seine spektakuläre Lage läßt einen darüber sinnieren, wie es die Menschen im 14. Jahrhundert wohl geschafft haben, mit einfachsten Mitteln so beeindruckende Bergdörfer zu errichten.

Mit-Bloggerin Isabelle war schon so einige Male in Palazzo, aber kürzlich zog es sie und ihren Mann Erik dennoch wieder hin:

Der Ort liegt auf 516 Metern Höhe, wobei sich der Parkplatz vor einem der 2 Stadttore befindet, denn mit dem Auto kommt man in den Ort nicht hinein. Auch die Bewohner müssen ihr Auto außerhalb der Stadtmauer abstellen.

Sobald man durch das Stadttor getreten ist, geht es treppauf und treppab durch die verwinkelten Gassen.

Außer ein paar Katzen läßt sich zunächst keine lebende Seele blicken – eine herrliche Ruhe!

Die meisten Häuser sind gut und vollständig renoviert, nur hier und da steht noch das eine oder andere verlassene Haus. Einige der Häuser haben sogar einen kleinen Garten mit atemberaubender Aussicht. Und selbst bei denen, die keinen Garten haben, kann man durch die Fenster ein herrliches Panorama genießen.

Schließlich landen Isabelle und Erik auf einer kleinen Piazza mit einem alten Backhaus und einem Wasserhahn: hier buken die Ortsbewohner früher ihr Brot. Auf dem großen Haus erblicken sie sogar ein Terrakotta-Relief, das eine Bäckerei (il fornaio) darstellt. Und im Erdgeschoß hinter der Bäckerei entdecken sie das alte Waschhaus. Hier wurden bestimmt immer die letzten Neuigkeiten und Gerüchte des Ortes ausgetauscht, denn hier traf sich ja alles.

Beim 2. Stadttor treffen die beiden schließlich auf Menschen, eine Frau und einen Mann, die noch hier leben. Der Mann weist auf ein Gebäude hin, in dem sie vor einigen Jahren noch einen richtigen Schatz entdeckt haben: Bei der Restaurierung des Hauses fand der Bauunternehmer eine Truhe mit Münzen. Kein Wunder, lebte doch im Mittelalter der reiche Klerus im Ort. Der Entdecker des Schatzes, so erzählt man sich im Ort, setzte sich übrigens mitsamt der Münzen in die Schweiz ab…. Und wie sagte schon der Astronom und Philosoph Giordano Bruno: Selbst wenn es nicht wahr ist, so ist es doch sehr gut erfunden! (se non è vero, è molto ben trovato)

Isabelle und Erik verabschieden sich von dem Paar und kehren zum ersten Stadttor zurück. Hier befindet sich der “Circolo Cittadino”, das Vereinshaus, wie man es in den meisten Orten finden kann, und wo die Bewohner normalerweise Karten spielen, sich unterhalten und etwas trinken können. Der Platz selbst wurde den Bergleuten, den “Minatori” gewidmet, die in der Schwefelmine von Cabernardi oder in den belgischen Minen unter schwersten Bedingungen arbeiteten. Eine Gedenktafel erinnert heutzutage daran.

Palazzo wurde erst spät, nämlich in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts im Auftrag von Rocca Contrada (dem heutigen Arcevia) erbaut. Zwei befestigte Villen in der Gegend, Sassellero und Sterleto, mußten aufgegeben werden und so wurde eine neue Siedlung dringend benötigt.

Im Ort besonders sehenswert sind sowohl die spätbarocke Pfarrkirche der Heiligen Sankt Septimius und Sankt Stefan aus dem 18. Jahrhundert mit schönem Marmoraltar, als auch das Oratorium des Heiligen Venanzio mit einigen Fresken, ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert. Leider waren beide geschlossen, als Isabelle dort war, aber sie sagt, im Sommer werden von der Kommune Arcevia oft Führungen durch die Castelli von Arcevia angeboten, bei denen man sie sicherlich besichtigen kann.

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