Ecco Le Marche

Laura, meine Bloggerfreundin, erinnert sich an die Tage ihrer Kindheit, als sie mit ihrer Familie am Wochenende regelmäßig zum Picknick und Wandern in die Berge gefahren ist. Denn, so sagten sie, “es ist besser, die Kühle der Berge zu atmen, als an der Hitze am Meer zu sterben”.

Der nächstgelegene Ort war Poggio San Romualdo, in den 60er und 70er Jahren einmal der “In-Place”, wo es viele hinzog. Der Ort war damals lebhaft bewohnt, denn in den goldenen 60er Jahren hatten viele Familien ein Ferienhaus sowohl am Meer als auch hier in den Bergen. 1978 wurde er sogar zur Kulisse des Bud Spencer & Terence Hill Filmes “Zwei wie Pech und Schwefel”.

Ein Exkurs zur Geschichte des Ortes:

Poggio S. Romualdo ist Teil der Gemeinde Fabriano und liegt auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges.

Früher hieß der Ort Porcarella, abgeleitet vom Wort Porca-Largo im umbrisch-marchigianischen Dialekt, das ein Stück Ackerland von bis zu 2 Metern Breite bezeichnete, das von kleinen, mithilfe von Pflügen gezogenen Gräben begrenzt wurde. Es ermöglichte den Pachtbauern, ihre Flächen in kleinere Einheiten zu unterteilen, die bei der manuellen Ernte mit Sicheln gut bearbeitet werden konnten. Um 1960 verschwanden diese Porca-largo oder auch Prese genannten Unterteilungen, weil nicht mehr von Hand geerntet wurde.

Porcarella ist ein circa 5 Quadratkilometer großes Bergplataeu, das ursprünglich den Kamaldulensermönchen von Valdicastro gehörte und das ihnen 1814 unter napoleonischer Herrschaft entzogen wurde und Napoleons Stiefsohn Eugen von Beauharnais übertragen wurde. Ab 1946 wechselte es häufig die Besitzer.

1936 verlor Porcarella seinen Namen, als Mussolini es nach dem Gründer des Kamaldolenserordens Poggio San Romualdo nannte. Der heilige Romualdo gründete den Kamaldolenserorden zu Beginn des 11. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Benediktiner der Stadt Camaldoli in der Toskana. Zu der Zeit wurde der Orden in ganz Mittelitalien sehr beliebt. Der heilige San Romualdo selbst starb in der Abtei des nahen Klosters Valdicastro, über das wir schon einen früheren Artikel geschrieben haben. Sein Leichnam liegt in der Kirche San Biagio und Romualdo in Fabriano, nur ein Arm in der Kathedrale von Jesi. Ich glaube, das war das Resultat eines langen Streites zwischen den beiden Gemeinden, wem denn die Reliquien des für diese Region so wichtigen Heiligen gehören.

Was kann man heutzutage im Ort unternehmen?

In Lauras Kindheitserinnerungen gab es im Ort 2 Restaurants, von dem heute nur noch eines übrig ist: Das Restaurant und Hotel “Norma”, 1965 eröffnet, zeugt von legendären Tagen: ein großer Hotelkomplex mit angegliederten Tennisplätzen und Pool und großem Restaurant. Seither scheint es nicht mehr renoviert worden zu sein, hat aber, so finde ich, einen eigentümlichen Charme vergangener, glamouröser Tage.

Norma ist vor allem am Wochenende immer noch Ziel von Ausflüglern und Wanderern, denn hier gibt es gute marchigianische Hausmannskost, sowie Picknickplätze zur freien Nutzung. Deshalb ist es am Wochenende recht lebhaft dort oben und es ziehen Gruppen von Picknickern mit großen Kühltaschen umher.

Laura erinnert sich, dass das Familienritual vorsah, sehr früh aufzustehen, um in Poggio San Romualdo noch einen freien Picknick-Tisch im Schatten zu finden. Das Picknick selber mußte mindestens 3 Gänge aufweisen, um halbwegs akzeptabel zu sein. Gut genährt und bestens gelaunt wurde danach durch den Ort oder die Gegend gewandert.

Letztes Wochenende sind mein Mann und ich ebenfalls zum Wandern nach Poggio San Romualdo gefahren. Wir fanden einen Parkplatz direkt vor Norma, zogen die Wanderschuhe an und gingen östlich durch den Ort an Kirche und Wasserhäuschen vorbei und folgten am Ende den Schildern auf einen kleinen Pfad, der steil hinunter Richtung Valdicastro führte.

Ein kurzes Stück über eine Wiese und wir erreichten eine unbefestigte Straße, auf die wir rechts abbogen, um an Valdicastro vorbeizuwandern.

Hinter der Abtei, kurz vor den Kuhställen, bogen wir links auf einen breiten Wirtschaftsweg und wanderten vorbei an den frei lebenden Valdicastro-Kühen, an Bienenstöcken und einem kleinen Teich, hinter dem wir rechts abbogen. Nun ging es peu a peu bergan durch angenehm kühlen Wald.

Nach circa 800 Metern mussten wir nochmals links abbiegen, um wieder nach Poggio San Romualdo zu gelangen. Schließlich wurde der Weg breiter und wir sahen die ersten Häuser des Ortes.

Bei Norma war inzwischen Hochbetrieb, das Restaurant pickepacke-voll. Coronabedingt wollten wir draußen sitzen und so bestellten wir Pasta und Wein “da asporto” (zum mitnehmen) und setzten uns damit an einen der Picknickplätze vor dem Restaurant.

Wir waren nicht ganz zufrieden: Drinnen im Restaurant hatten wir einige Male gut und günstig gegessen und auch schon ein tolles, sehr opulentes Silvesteressen dort genossen, aber bei den Mitnahmegerichten waren sie wohl etwas überfordert und lieferten wenig und spät: nächstes Mal nehmen wir eigenes Picknick mit oder reservieren einen Tisch drinnen, sagten wir uns!

Hier eine Bild des circa 10 km langen Wanderweges und der link zum GPX track (mit GPX viewer zu öffnen):