Ecco Le Marche

Hier in den Marken sind wir mit tollen Weißweinen verwöhnt. Umso erstaunter war ich, dass jetzt um die Herbstzeit überall der Kirschwein, der Vi‘ de Visciola angeboten wird (Vi ist im lokalen Dialekt die Kurzform für Vino, sprich Wein). Wie passt denn ein süßer Obstwein zu einer Gegend, in der hohe Winzerkunst Spitzenweine und hochwertige Spumante hervorbringt?

Aber der Vi‘ de Visciola ist schon etwas Besonderes und hat es in sich! Das merkten wir, als wir beim marchigianischen Nachbarn zum Essen eingeladen waren und er uns zum Nachtisch von seinem selbstgemachten Vi‘ de Visciola kredenzte. Der schmeckte herrlich nach dunklen Kirschen und war zudem recht hochprozentig.
Auch die Winzer stellen oft Kirschwein her und den besten, also etwas hochprozentigeren, bekommt man entweder geschenkt oder unter der Ladentheke.

auf dem Kirschweinfest

Als ich eine Schülerin aus der Nachbarschaft zu ihrer Schul- und Studienwahl bezüglich Deutsch  beriet, bekam ich vom Vater als Dank eine Flasche selbstgemachten Kirschweines – ein tolles Geschenk!

Die Visciola Kirsche hier in den Marken ist eine Sorte von wilder Sauerkirsche: dunkler und kleiner als die in Deutschland angebauten Sauerkirschen, die ich kenne. Blogger-Freundin Isabelle hatte dieses Jahr ihren Visciola-Baum voller Früchte hängen und so durften wir uns auch welche pflücken, die ich zu Marmelade verarbeitete. Es war – trotz Maschine – viel Arbeit, denn die kleinen Kirschen sind mühselig zu entkernen. Aber die Arbeit wurde belohnt: Die Marmelade schmeckte intensiv nach Kirsche und erinnerte fast an Amarena Kirschen, so dunkel wurde sie. Isabelle sagt, ihre selbstgemachte Visciola-Marmelade ist die Lieblingsmarmelade der meisten ihrer B&B Frühstücksgäste.

In der Regel wird der Kirschwein aus Visciola-Kirschen, Zucker und Sangiovese Rotwein (dieselbe Traubensorte, die in der Toskana für Chianti verwendet wird!) hergestellt. Der Weinanteil macht den Kirschwein vermutlich so kräftig. Manche geben noch Grappa oder eigene Gewürze hinzu – so hat jeder sein eigenes Rezept. Das ganze muss in den ersten 3 Monaten gären und dabei täglich durchgerührt werden. Schließlich soll er dann noch über die restlichen Wintermonate durchziehen, bevor er gefiltert wird und circa 14 Prozent Alkohol entwickelt hat. Der Vi‘ de Visciola wird häufig als Dessertwein kredenzt oder einfach so, zusammen mit Mandelkeksen, die man gerne in den Wein tunkt.

Wer einmal Vi‘ de Visciola probieren möchte, der kann sich bei den Winzern der Gegend umsehen. Oder Mitte Oktober auf die Festa dell Vi de Visciola gehen – dem Kirschwein-Fest in San Paolo di Jesi. Wir waren letztes Jahr da und trotz – oder gerade wegen – der etwas kälteren Jahreszeit schmeckte der Wein köstlich. San Paolo di Jesi ist ein recht kleiner Ort in der Provinz Ancona, aber das gibt dem Fest eine wirklich schöne Atmosphäre. Zudem spielen Bands auf, wie letztes Jahr die bekannten Modena City Ramblers.

 

 

 

 

Ob es an dem genossenen Vi‘ de Visciola lag, dass ich bei der aufgestellten Foto-Bühne unabsichtlich meine erste Foto-Bombe gemacht habe?

Elke’s Fotobombe